Mit Katalonien hatte ich bislang nur Barcelona und die Costa Brava in Verbindung gebracht. Also eine der angesagtesten Mega-Städte garniert mit endlosen Hotelbunkern an mit Liegen und Schirmen zugenagelten Badestränden. Beides Dinge, die mir sofort die Nackenhaare aufstellen. Deswegen hatten wir die Idee tief ins Hinterland zu fahren. Und das war die beste Entscheidung! Katalonien ist der Hammer und ich möchte Euch auf ein paar Touren mitnehmen, die Ihr so nicht im Reiseführer finden werdet.

Wir haben den Mietwagen wie immer über www.billiger-mietwagen.de gebucht und einen Kombi gewählt. Sowohl die Fahrzeuggröße (zu groß) als auch der Vermieter (firefly) waren eine schlechte Wahl. Vorallem Firefly war eine herbe Enttäuschung, die Mitarbeiter waren alle mega unfreundlich. Stellt Euch einfach eine komplett aufgetakelte Spanierin vor, die während der kompletten Vertragsabwicklung durch euch hindurch mit einer hinter euch stehenden Person spricht. Kennt Ihr? Geil, gell? Der Schalter von Firefly ist auch nicht bei den anderen Vermietern, sondern am anderen Ende des Flughafens. Es gab natürlich auch keine Hinweise zum Verlassen des Parkbereiches, sodaß wir erst einmal ziemlich doof an der Schranke gestanden haben. Der Barcode auf dem Mietvertrag hat auch nicht funktioniert. Irgendwann ging die Schranke doch noch ohne ersichtlichen Grund auf und wir waren froh, dieses Chaos hinter uns lassen zu können. Die Vorfreude auf die Rückgabe des Wagens war berechtigt, es wurde dasselbe Stück in umgekehrter Reihenfolge geboten. Das war es aber auch schon mit negativen Begleiterscheinungen.

Tief durchgeatmet und weg war das schlechte Bauchgefühl.

Wenn Ihr meine Seiten zum Outdoor Equipment gelesen habt, wisst ihr auch, dass ich Camping in Europa mittlerweile vermeide. Nach zwei Wochen Katalonien muß ich dies eventuell noch einmal überdenken, denn hier kann man durchaus noch richtig gut mit Zelt und Fahrzeug klarkommen. Es gibt wundervolle Plätze abseits der Massen-Zweibeiner-Haltung. Wir haben für diese Tour zwei Quartiere über Booking.com gebucht, um in möglichst unterschiedlichen Gebieten wandern zu können.

Unser erstes Wandergebiet waren die Muntanyes de Prades, die erste Unterkunft war das Menta-House. Für Fans innovativer Architektur kann ich dieses Haus echt empfehlen. James & Mau haben hier einen coolen Wurf hingelegt! Das erste Haus in Katalonien mit Energie A-Performance! Außen Corten-Stahl und die Dämmung erfolgt mit Schafwolle! Innen liegt ein bisschen viel Plastik (Laminat) und die Möbel sind von IKEA bzw. Plagiate der Originale von Vitra, Eames etc. – aber hey, es ist schon alles ziemlich wertig gemacht. Das Haus steht am Ende der kleinen Wohnsiedlung Les Masies Catalanes, in der es nichts gibt, außer Villen mit kläffenden Kötern davor. In etwa 1km Entfernung liegt eine Geflügel-Quälanlage, die man bei schlechtem Wind hört und riecht. 

Die Lage des Hauses ist zum Wandern leider suboptimal, denn die coolen Touren liegen meist auf der anderen Seite des Muntaynes des Prades. Man muß also 30-60 Minuten Anfahrt einplanen. Für Leute, die gern enge Serpentinen mit dem Rennrad runterspulen wollen ist das Menta-House allerdings der ideale Spot. Direkt hinter dem Haus schlängelt sich die TV-7046 den Berg nach L`Albiol hinauf.

Eines der spektakulärsten Ausflugsziele der Muntanyes de Prades könnt ihr allerdings einfach erreichen, die Avencs de la Febró. Diese  Felsformation besteht aus drei tiefen Spalten an der Klippe des Mussara-Massivs. Die größte Felsspalte hat eine Länge von knapp 300 Metern und eine Tiefe von 30 Metern bei sechs bis acht Metern Breite. Die sogenannte Cova Gran hat eine Tiefe von 39 Metern und kann auf einer Strecke von 254m begangen werden. 

Das Menta House in der Dunkelheit – ein genialer Schachzug der Architekten, denn die Perforation der Shades verschwindet!

Menta House, Inneneinrichtung, Ferienhaus

Elegante Inneneinrichtung und viel Platz im Manta House

 

Wie immer waren wir zum Wandern unterwegs. Wir wollten vom ersten Standort aus sowohl Küstentouren als auch leichtere Bergtouren im Prades-Gebirge unternehmen.

Wir hatten den Rother-Wanderführer Costa Daurada dabei und sind folgende Touren gelaufen:

Tour 2 – Ebrodelta – Basse de les Olles

Eine eher gemütliche Wanderung am Rande des Delta`s. Diese Tour ist ganz nett und einfach zu laufen, ohne allerdings landschaftlich besonders reizvoll zu sein. Für Vogelbeobachter sicher einer der großen Hotspots in Europa und das aus gutem Grund. Es gibt tausende Vögel hier, Kraniche, Reiher, Flamingos, die sich alle recht gut beobachten lassen. Entsprechend viele Fotografen sind unterwegs. Wer noch nie gesehen hat, wie Reis angebaut wird, der kann sich im Park schlau machen. Es gibt riesige Flächen mit Reisfeldern, denn Spanien bezieht 90% seines Bedarfs aus dem Ebro-Delta. Das gesamte Gebiet ist ein wirklich einzigartiges Ökosystem.  In den Bewässerungsgräben für die Reisfelder leben unzählige Wasserschnecken und Einsiedlerkrebse, die den Vögeln offensichtlich vorzüglich schmecken. Feucht und warm bedeutet natürlich auch, dass es viele Insekten gibt, also nehmt Autan mit. Der Strand selbst ist allerdings ziemlich vermüllt, das weltweite Problem mit Plastikabfall ist auch hier deutlich sichtbar.

 

Ebro-delta, Wandern

Eine ziemlich typische Aussicht im Ebrodelta

Tour 24 – Siurana

Eine wunderschöne Rundwanderung um das Südufer des Stausees, dann geht es hoch in die Steilwände und schließlich auf den weltberühmten Felssporn von Siurana. Wir sind ziemlich früh losgelaufen, um die blaue Stunde zu erwischen – das Licht war aber leider extrem schlecht. Die Tour war dennoch wunderschön, besonders die schmalen Felsbänder oben auf dem Sporn. Es gibt atemberaubende Blicke in die Tiefe und grandiose Kletterfelsen. Fotomotive ohne Ende! Das gesamte Gebiet ist das absolute Eldorado für Kletterfans, hier findet ihr zum Beispiel im Sektor El Pati die weltberühmte Kletterroute “La Rambla” (9a+). 

Siurana, Katalonien, Wandern

Auf dem weltberühmten Felssporn von Siurana

Siurana, Wandern

Der schönste Teil der Wanderung, auf schmalen Felsbändern in schwindelerregender Höhe

Siurana, Wandern, Katalonien

Diese Wanderung ist einfach nur genial schön!

Siurana, Wandern, Katalonien

Unglaubliche Kletterwände soweit das Auge reicht. Da ist das Elbsandsteingebirge eine Kleckerburg dagegen!

Eigentlich wollten wir noch die Tour 21 um Montsant laufen, aber die Zeit war dafür einfach zu knapp. Wir wollten uns ja auch noch die Städte und die Küste ansehen. Reus ist ganz nett, aber nicht der Brüller – trotz Gaudi-Museum. Tarragona ist ein ziemlicher Moloch, lediglich die Altstadt ist sehr schön. Leider haben wir das Festival, bei dem die Menschtürme gebaut werden um einen Tag verpasst. Wenn Euch das interessiert, sucht nach Tarragona Castels – es ist unglaublich beeindruckend, wie mutig die Kids dort nach oben klettern. Montblanc ist sehr schön, die Stadtmauer ist gigantisch! Einen Tag haben wir in Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei verloren. Die Anlage war sicher mal wundervoll und liegt sehr eindrucksvoll, aber sehr viel ist eben nicht mehr davon übrig. Für Geschichtsinteressierte oder Archäologie-Fans ist es aber sicherlich ein lohnenswertes Ziel.

Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei

Der sehr fotogene Eingang zur Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei

Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei

Wenig erhaltene Substanz, auch hier hat die Dummheit der Menschheit großen Schaden angerichtet.

Unser zweites Basislager ….war die Cal Dansa in Berga, etwa eine Autostunde von Barcelona entfernt. Berga hat den typischen Charme gut funktionierender südländischer Kleinstädte. Etwas abgerockt, zu viele Hunde aber eine entspannte Atmosphäre mit viel Kultur und einer großen Geschichte. Die Ferienwohnung liegt mittendrin, man parkt das Auto an der Kirche und danach geht alles zu Fuß. Die Wohnung selbst ist eine echte Perle, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Das Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert, was man ihm auch ansieht. Innen hat der Architekt aber eine TOP-Arbeit geleistet und eine wunderschöne Wohnung geschaffen. 

Cal Dansa in Berga, ferienwohnung

Mehr großzügiges Loft als Ferienwohnung – Cal Dansa in Berga. Bislang einer unserer schönsten Unterkünfte überhaupt.

Berga ist das optimale Zentrum für Wanderungen in den Pyrenäen. Hier ist alles möglich, von chilligen Touren von wenigen Stunden bis hin zu extrem harten Routen. Klettersteige. Kletterrouten ohne Ende. Alles perfekt markiert und gesichert.

Wer Berge liegt – liebt Berga!

Und das beste daran, es gibt kaum eine touristische Infrastruktur und damit auch kaum Touristen. Auf den Touren trifft man ab und zu einen katalanischen Pilzsammler, der freundlich grüßt. Meistens waren wir komplett alleine unterwegs. Und das in einer Landschaft, die einem mit ihrer ursprünglichen Schönheit die Sprache verschlägt. Eine derartige Ruhe und Weite findet man in den Alpen längst nicht mehr. 

Wir hatten den Rother Wanderführer – Pyrenäen 3 dabei, aus dem wir aber nur wenige Touren gelaufen sind. Einerseits hatten wir nicht vor, den Tunnel auf der C16 komplett alleine zu finanzieren (25€ hin und zurück) und andererseits gibt es in viel kürzerer Entfernung wunderschöne Touren für Wochen! Und da man zum Fotografieren früh raus muß, ist jede Minute weniger Anfahrt ein klarer Pluspunkt. Mega schöne Wandergebiete gibt es in der Sierra de Queralt, Serra d’Ensija-els Rasos de Peguera und natürlich im Parc Natural del Cadí-Moixeró.

Folgende Touren kann ich Euch empfehlen:

Tour 49 – Prat de Cadi

Die perfekte Tour zum Warm werden:) Am besten am späten Nachmittag gehen, dann scheint die Abendsonne wunderschön auf dieses einmalige Stück Natur. Für mich war das das schönste Stück der Sierra de Cadi, die 500 Meter hohe Felswand verschlägt einem einfach die Sprache. Der Weg ist einfach zu gehen und außer extrem neugierigen Kühen trifft man hier niemanden.

Prat de Cadi, Wandern in Katalonien

Was für eine Hochalm!

 

Prat de Cadi, Wandern in Katalonien

Nach einer kurzen knackigen Wanderung durch den Wald steht man plötzlich vor dieser Wand.

 

Tour 49 – Pedroforca

Diese Tour um den beliebtesten Berg Kataloniens ist für viele Bergläufer ein absolutes MUSS! Zu spektakulär ragen die Doppelberge in den Himmel. Entsprechend voll scheint es in der Saison zu sein, jedenfalls gibt es bis zum Startpunkt 8 Parkplätze. In der Nachsaison standen 3-4 Autos am obersten Parkplatz, das Wetter war genial – traumhafte Bedingungen für einen Tag im Berg. Die Tour selber ist knackig aber gut zu laufen und perfekt markiert.

 

Wandern in Katalonien, Pedroforca

Ein perfekt geformter Berg, den man am besten vom Osten aus fotografieren kann (bei mir fehlt die Gabel).

 

GR212 – Rundwanderung am Coll de Fumanya

Lauft die Tour im Uhrzeigersinn, sonst erwischt Ihr den harten Aufstieg gleich zu Beginn. Der Weg startet an der B401 hinter Vallcebre and verläuft zuerst leicht bergan bis zur steil aufragenden Ostflanke des Gebirgsmassivs.

Dann geht es auf schmalen Wegen durch den Wald nach oben. Wer sein Equipment dabei hat, kann sich unterwegs an den Klettersteigen austoben. Nach der Querung des kleinen Baches könnt ihr durch die Einfahrt der ehemaligen Mine auf den Aussichtsbalkon laufen und den Talblick genießen. Wenn Ihr vorsichtig seid, werdet ihr dort eine große Gruppe Gänsegeier vorfinden, die direkt über dem Balkon wohnen und die Thermik sichtlich genießen. Wir haben uns jedenfalls ziemlich erschrocken, denn die riesigen Tiere flogen keine fünf Meter über unseren Köpfen!

Von dort geht ihr zurück auf den markierten Weg, der Euch wieder zum Startpunkt führt. Der Abstieg ist steil und führt Euch an einigen schönen Wasserfällen vorbei.

Da der Tag noch jung ist, könnt Ihr nach der Tour gleich noch die Dinosaurier-Spuren in Fumanya bestaunen. Einfach der B401 folgen und gleich am ersten Parkplatz halten. Bereits hier gibt es viele Spuren und ihr kommt direkt an die Wand ran. Wenn ihr weiter fahrt, kommt ihr zum Besucherzentrum an der Hauptstelle mit den größten Fußabdrücken. Wer gern bespaßt wird, kann sich das ansehen – uns hat ein Blick durch den Zaun genügt.

Wandern in Katalonien

Die Landschaft der Vorpyrenäen ist atemberaubend schön! Wer Ruhe und Entspannung in der Natur sucht, ist hier richtig.

Wandern in Katalonien

Hier stehen auch ziemlich komische Berge rum:)

Wandern in Katalonien

Ich habe mich in diese wundervolle Stille und Schönheit der Natur sofort verliebt.

Doch selbst direkt in Berga finden sich geniale Wanderungen. Die Serra de Queralt mit zerklüfteten Gebirgszügen und artenreichen Wäldern, ist ein Wandergebiet voller spannender Touren. Wir sind ohne Plan einfach früh hochgefahren und losgelaufen. Die meisten Wanderwege sind Rundwanderungen, alle einfach zu laufen und gut ausgeschildert. Grandiose Kletterfelsen säumen den Weg. Es geht zwar an manchen Stellen recht knackig nach oben, aber dafür sind meist die Rückwege sehr chillig auf breiten Waldwegen.

 

 

Wandern in Katalonien, Serra de Queralt

Eine traumhaft schöne Kurztour in der Serra de Queralt 

 

 

Wandern in Katalonien, Serra de Queralt

Kletterfelsen soweit das Auge reicht

 

 

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, jedes Urlaubsziel nur einmal zu besuchen. Bei Katalonien werden wir aber definitiv eine Ausnahme machen – zu schön ist die Landschaft, zu viele Wanderwege sind wir noch nicht gelaufen. Für mich ist es einer der großen Geheimtipps in Europa, in den ihr euch schnell verlieben werdet.

 

 

Steckbrief

 

 

    Kurzstrecken, Eintages-Touren, Mehrtages-Touren

   Schwimmen im Meer

   Auto empfohlen

   Zelt tauglich

   Sehr gutes Essen

Klettersteig

Freeclimbing, Bouldern