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La Reunion

Es ist schon lustig, in Deutschland ist diese Insel den meisten Leuten unbekannt – so gut hüten die Franzosen Ihr schönes kleines Geheimnis. Südlichster Punkt der EU? Mit Euro zahlen? Mitten im indischen Ozean? Wanderparadies mit richtig knackigen Touren mitten in den Tropen? Noch nie davon gehört. Hört man meistens. Irgendwo bei Mauritius, oder? Das hört man ab und zu. Da war ich schon mal! Ich habe bislang nur einen Bekannten getroffen, der das geantwortet hat.  Also genau das richtige Urlaubsziel für vier Wochen im Dezember! Aufgrund der Temperaturen haben wir uns für Ferienhäuser entschieden und das Zelt zuhause gelassen.

Reisezeit und Reiseroute

Da ab Dezember die Regenzeit beginnt, haben wir uns für eine Route im Uhrzeigersinn entschieden. Wir wollten ab Mitte Dezember im Regenschatten des Piton de La Fornaise  sein und das hat ganz hervorragend funktioniert. Gegen tropischen Regen ist prinzipiell nichts einzuwenden, aber erstens kann der auf La Reunion ganz besonders heftig sein und zweitens sind dann die Wanderwege schnell unbrauchbar. Wir hatten in den vier Wochen einen einzigen Regentag bei 35°C Außentemperatur.

 

Mietwagen

Den Mietwagen haben wir bei  www.billiger-Mietwagen.de  gebucht und hatten damit keinerlei Probleme. Bei einer erneuten Reise auf die Insel würde ich allerdings eine Wagenkategorie höher buchen und ein Auto mit Navi raussuchen. Die Berge haben doch ganz ordentliche Anstiege und die Ausschilderung auf Nebenstrecken ist einfach nicht vorhanden. Besonders wenn man zur blauen Stunde in der Dunkelheit startet, kann die Fahrt auch mal innerhalb der Maisfelder eine ganze Weile im Kreis verlaufen. Meistens ist die blaue Stunde dann vorbei und man kann entspannt zurück zum Frühstücken fahren, ohne auch nur ein Foto geschossen zu haben.

Straßenverhältnisse und Tankstellennetz sind auf einem Spitzenniveau, man merkt schnell, dass die EU ordentlich Fördergelder in die französischen Überseegebiete gepumpt hat. Die N2 führt einmal um die Insel und hier kommt man sehr schnell voran. Auf den Nebenstrecken solltet Ihr unbedingt die Entwässerungsgräben ernst nehmen. Es handelt sich um eine knapp einen Meter tiefe Betonrinne neben der Straße und die durch NICHTS gesichert ist. Vor allem der Beifahrer hat damit viel Spaß!

 

Unterkünfte

Wir hatten insgesamt 5 Unterkünfte, die wir über www.Booking.com gebucht hatten und sind ein Mal um die Insel gefahren. Das geht auch ohne Navi, das Meer muß eben immer links sein.  So ganz grob….

Die Unterkünfte waren durchwachsen, was aber daran liegt, dass wir prinzipiell nur Selbstversorgung buchen und immer eine finanzielle Obergrenze setzen. Empfehlen kann ich Les Terasses de Niagara im Norden bei Sain-Suzanne, auf dem Grundstück stehen zwei sehr schöne große Häuser und ein Baumhaus in einem 300 Jahre alten Litschibaum. Das ganze Anwesen ist ein einziger wunderschöner großer Garten und bietet einen atemberaubenden Blick auf den Wasserfall – man merkt deutlich, dass diese Oase in längst vergangenen Zeiten als Domaine Marencourt angelegt wurde. 

Die Lage ist strategisch günstig, man ist nach dem langen Flug schnell im Quartier und hat einen riesigen Carrefour in 7km Entfernung. Die Häuser sind klimatisiert und bieten ausstattungstechnisch alles was man benötigt.

So sieht das Haus an den Niagara-Falls von vorn aus…das Startbild zeigt den Blick von der Terrasse.

Wanderungen

Da wir hauptsächlich zum Wandern auf der Insel waren, möchte ich natürlich meine Erfahrungen teilen und Euch einige der spektakulärsten Touren empfehlen. Wir haben uns vorab den ROTHER Wanderführer und eine normale Karte von IGN im Maßstab 1:75000 gekauft, damit kommt man ohne Probleme aus. Generell kann man sagen, dass alle großen Touren aus dem Rother perfekt markiert sind. Verlaufen ist selbst bei Nebel und Wolkenbrüchen praktisch unmöglich. Grundkenntnisse in der Orientierung sollte man natürlich haben. Es gibt auch Touren, die die lokalen Büros und Fremdenverkehrsämter rausgeben, diese haben wir allerdings als grenzwertig empfunden. Schlechter Streckenausbau, schlechte Markierungen…also warum auf so etwas einlassen? Im Rother sind 58 Touren drin und die reichen für 10 Urlaubsreisen.

Folgende Touren würde ich Euch empfehlen:

Tour 9

Die Tour zum Le Grand Benare ist echt toll und mit 6:30h perfekt für eine Tagestour. Startpunkt ist der Parkplatz am Maido und es geht immer an der 1000 Meter tiefen Abbruchkante des Mafate – Kessels entlang. Auch hier gilt: 09:00 Uhr müsst Ihr am Ziel sein – der Passat treibt die Wolken ziemlich pünktlich in die Täler. Speziell auf dieser Tour solltet Ihr früh starten – wenn die Busse kommen, ist alles zu spät! Und alle wollen auf den Maido und von dort in den magischen Mafate-Kessel fotografieren – wie gesagt, die Wolken kommen pünktlich….

Magic Mafate! Die Kamera kann die Großartigkeit dieser Landschaft nur schwer umsetzen.

Ihr könnt  die Uhr danach stellen….9 Uhr ist es vorbei!

 

Tour 32

Ebenfalls extrem lohnend ist die Tour 32 – La Bras Rouge mit Startpunkt Cilaos, auch hier würde ich empfehlen, sehr früh aufzubrechen – sonst wird es in der Wärme schnell mühsam. Die Tour ist durchaus anspruchsvoll, bietet aber wundervolle Blicke in die Bergwelt des Gros Morne.

Der Start der Tour beginnt angenehm schattig, es geht mehrfach in Flußtäler runter (und wieder hoch)…

aber die Sonne grillt Euch ordentlich, wenn Ihr in die Mittagszeit kommt. Am Ende der Strecke werdet Ihr am Bassin bleu mit wundervollen kleinen Badegumpen belohnt, die direkt an der Strecke liegen.

Zu Cilaos noch ein Tipp – plant die Touren mit diesem Dorf als Startpunkt, die 400 Serpentinen fahrt Ihr nicht freiwillig mehrmals im Urlaub. Wer ein nervöser Autofahrer ist, klemmt sich am besten hinter einen grünen Linienbus….dann kann man ganz beruhigt fahren. Der Ort hat alles und ist perfekt auf Wanderer eingestellt, die Bäcker haben zeitig auf und bieten fertige Sandwiches, Kaffee usw. für die Leute mit Rucksack.

 

Tour 37

Erfahrene Wanderer wollen natürlich alle den höchsten Berg der Insel besteigen und gehen die 2-Tages-Tour 37 zum Piton des Neiges. Dann gibt es natürlich noch die ganz eiligen Zeitgenossen, die das Ding in einem Tag ab Cilaos runterreißen müssen. Wenn Ihr richtig fit seid, ist das durchaus machbar – die Zipphosenträger, die wir auf dem Rückweg gesehen haben, sahen allerdings aus, wie vom Zug überfahren. Für mich sind solche Leute ohnehin ein Rätsel – was ist der Unterschied zwischen dem höchsten Berg und einem schönen Berg? Also schätzt Eure Kräfte besser richtig ein, in den Tropen haben die Höhenmeter eine andere Qualität.

Cilaos bietet sich auch mega gut zum Chillen an, alles da, was man benötigt. Der Ort ist magisch schön! Und kühl!

 

Tour 26

Lohnenswert ist auf jeden Fall die Tour 26 von Hell-Bourg zum Foret de Belouve. Der Anstieg ist allerdings knackig, es gibt hier einige Bloggerinnen, die den mit 0:30h angegeben haben – im Leben nicht! Nach einer knappen Stunde steht Ihr keuchend auf dem Plateau der Gite de Belouve und werdet mit einen Traumblick auf den Cirque de Salazie belohnt, der Rest ist dann wieder einfach zu laufen. Kann auch mit der Wanderung zum Höllenloch Trou de Fere kombiniert werden.

Der Blick von der Gite de Belouve in den Cirque de Salazie ist einfach umwerfend!

 

Tour 57

Unbedingt laufen müsst Ihr die Tour 57 – Cratere Dolomieu. Der Aufstieg zum Kraterrand des Piton de la Fournaise ist einmalig, der Piton de la Fournaise ist einer der aktivsten Vulkane der Welt – trotzdem ist es vollkommen ungefährlich hier zu laufen.

Vom Parkplatz geht es zuerst einmal satte 400 Meter nach unten in den Ur-Krater des Vulkans (richtig, die müsst Ihr zum Schluß auch wieder hoch) – danach läuft man über Lavagestein zuerst zum “Ameisenlöwen” und danach auf perfekt markierten Wegen an den Fuß des Vulkans.

Dort angekommen geht es über unterschiedlich alte Lavaströme angenehm den Berg hoch. Und wieder die Empfehlung: Ihr müsst vor 9:00 Uhr oben sein, der Passat kommt pünktlich und meist auch mit unangenehmen horizontalen Regenschauern. Wir hatten 5 Minuten, um in diesen gigantischen Krater zu schauen, danach  verschwand alles im Nebel.

Der Piton de la Fournaise – Lieblingsvulkan der Insulaner, die sich zum “Volcan Ia pete” alle hier einfinden.

 

Tour 3

Im Norden kann man die Tour Nr. 3 ganz gut am Abend machen, sie ist einfach zu gehen und eher zur Entspannung geeignet. Unterwegs gibt es viele Badegumpen und kleine Wasserfälle.

 

Tour 20

Die als TOP bewertete Tour 20 im Flussbett Bras de la Paine würde ich nicht so hoch bewerten, was vielleicht daran lag, dass wir die am Wochenende gelaufen sind. Offensichtlich sammeln sich dann alle Trailrunner der Insel zum Training auf dieser Tour…und die Franzosen sind mega begeisterte Trailrunner. Es war hammervoll und ständig musste man so einem bunten Flitzer mit Kopfhörer und verspiegelter Sonnenbrille ausweichen. Im Flussbett unten ganz nett, aber nicht so überwältigend wie erwartet.

Falls Ihr dann irgendwann mal die Nase voll vom Wandern habt, gibt es natürlich eine Unzahl von Dingen, die man auf der Insel machen kann – die folgenden Aktivitäten kann ich Euch vorbehaltlos empfehlen:

Helikopter fliegen!

Macht unbedingt einen Hubschrauber-Rundflug über die gesamte Insel – nehmt den längsten und teuersten Flug! Ihr werdet es nicht bereuen – versprochen! Vor allem wenn Ihr noch nie mit einem Heli geflogen seid – es ist einfach der Hammer. Wir haben den Flug von www.Corail-helicopteres.com genommen, ein einmaliges Erlebnis.

Ausblicke wie diesen habt Ihr nur von oben – die Heli-Tour war das Highlight auf der Insel.

 

Paragliding

In St. Leu gibt es einen Strand direkt hinter Kelonia, von dem alle Paragliding-Anbieter starten. Den ganzen Tag lang gleiten hunderte Schirme sanft den Hang hinunter, meistens Tandems.

Wir haben uns für ADDICT entschieden, weil der Anbieter gemäß La Reunion Card Prozente gibt – natürlich nicht auf den Flug, den wir uns rausgesucht hatten. Addict kann ich dennoch zu 100% empfehlen, weil Yves, Alex und die anderen Jungs mega gut fliegen können und wir einfach nur Spaß bei diesem Abenteuer hatten. Wenn Ihr unter 75kg wiegt, würde ich Euch den Start von 1500m empfehlen, der Flug ist wesentlich schöner, weil man viel höher in die Bucht hineingleitet und länger in der Luft ist.

Startplatz auf 1500 Metern – keine Rampe, deswegen gilt “RUN OR DIE!!!”

Wenn Ihr mehr Kicks braucht, gebt beim Start einfach an, dass Ihr die „Artistik-Version“ haben wollt. Sagt dann aber bitte nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt! Zum Flugpreis addieren sich auf Wunsch noch ein paar Euro, um die GOPRO-Bilder von der Drop-Box zu laden zu können, Ihr könnt den Schirm selbst lenken und auch die Kamera bedienen. Ihr braucht nichts außer einer Sonnenbrille und Lust auf den Flug! 

  

Wassersport

La Reunion ist keine Badeinsel wie Mauritius. Es gibt zwar viele wunderschöne Strände, aber durch die Hai-Angriffe der letzten Jahre hat sich der Wassersport zum Problemkind entwickelt und dem Tourismus Umsatzeinbußen von über 60% beschert.  An allen großen Stränden stehen riesige Verbotsschilder mit Hai-Warnungen. Da wo das Korallenriff nicht geschlossen ist, wurden vor der Küste riesige Netze im Meer verankert. Man sieht trotzdem selten Menschen im Wasser. Die großen Strände St. Gilles les Bains und L`Ermitage les Bains sind die Hauptzentren des Inseltourismus. Wir haben diese schönen Strände nur als “brettvoll” und verdreckt empfunden. Die vielen schönen Fotos der einsamen Strände werdet Ihr nicht nachvollziehen können. 

Sehr schön ist der Strand Grand Anse bei Petit-Ile, nicht so überlaufen und wunderschön zum Sonnenuntergänge genießen.

Auch nett ist der Strand direkt hinter Kelonia. Dort liegen Millionen abgestorbener Korallen, man kann stundenlang nach neuen Formen suchen. Komischerweise sind kaum Besucher an diesem Strand, wir waren mit 2 französischen Familien stets allein dort. Es ist einfach wundervoll ruhig durch die Lagune zu schnorcheln und diese unglaubliche Artenvielfalt zu bewundern. Entschleunigung pur. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass ein dicker Bullenhai einfach keinen Bock hat, im flachen Wasser um die Felsblöcke und Korallenbänke zu schwimmen…offensichtlich hatte ich mit dieser Annahme recht. Ich will Euch aber nicht zu Dummheiten anstiften, bitte macht Euch über die Gegend und die aktuelle Situation vor Ort schlau, bevor Ihr stundenlang im Meer paddelt. Google hilft weiter, notfalls die Einheimischen vor Ort fragen.

 
Was bleibt?

La Reunion ist definitiv eine Trauminsel für Naturliebhaber und Sportbegeisterte. Auf der Insel leben alle religiösen Gruppen friedlich miteinander, es gibt viele wunderschöne Tempel (an teilweise gruseligen Orten). Die Menschen sind sehr freundlich und Kriminalität ist eigentlich nicht vorhanden. Probleme hat die Insel mit hauptsächlich zwei Dingen: Müll und Alkohol. Der Zuckerrohrschnaps ist definitiv zu billig! Man trifft deswegen leider sehr viele kaputte Gestalten, vor allem in den Bushaltestellen der kleinen Dörfer im Hinterland. Müll wird eigentlich überall abgeladen, es herrschen teilweise Zustände wie in Neapel. Die Insulaner sind begeisterte Picknicker, an den Wochenenden findet man keinen einzigen freien Platz! Dabei gibt es eine Unmenge an wunderschönen Plätzen überall auf der Insel. Meist fährt der ganze Clan mit einem hoffnungslos überladenen Auto in den Wald. Matratzen und Chemietoiletten kommen auf`s Dach, Tische, Stühle und mehrere Kühlboxen in den Kofferraum – am wichtigsten ist aber  die Oma auf dem Beifahrersitz. Diese wird nämlich am Picknickplatz der Wahl abgeladen und muß diesen für die kommenden Stunden besetzt halten, während die Großfamilie in einen der Supermärkte zum Großeinkauf einreitet. Wenn dann alle wieder beisammen sind, wird ausgiebig und ohne Pause gegrillt und gefeiert – die Kinder toben durch den Wald, die Alten singen zur Gitarre und alle sind glücklich und ausgeglichen – wie gesagt, La Reunion ist eine wundervolle Insel.

 

Steckbrief

Kurzstrecken, Eintages-Touren, Mehrtages-Touren

   Auto notwendig

   Schwimmen nur in abgesicherten Bereichen

   Haie

   Schnorcheln nur in abgesicherten Bereichen

  Feste Unterkünfte mit Klimaanlage

  Kombinieren mit Mauritius

Paragliding