Sensorflecken und wie man sie wieder los wird

Alle Modelle mit freiliegendem Sensor dürften dieses Problem massiv haben. Seit SONY mit der A7-Reihe den Markt abgeräumt hat, ziehen alle anderen Wettberweber nach. Lumix G9, Nikon-Z-Reihe, Canon R – alle Besitzer dieser Kameras werden am Thema “Sensorflecken” nicht vorbeikommen. Denn da ist kein Schwingspiegel mehr, der den Sensor hermetisch abdichtet. Und je größer der Sensor, umso mehr Dreck sammelt sich natürlich auf dessen aktiver Fläche. Je mehr Pixel, um so kleinere Partikel werden sichtbar. Man kann die Kamera natürlich zum Servicecenter seines Vertrauens bringen, bei Besitzern von A7-Modellen sollte dieses allerdings möglichst in derselben Stadt liegen. Und man sollte etwas Kleingeld mitnehmen, denn der Service kostet um die 40€. Man kann sich das Geld dafür allerdings auch sparen und den Sensor selbst reinigen. Wie das geht, zeige ich Euch auf dieser Seite.

Sensorflecken

Das linke Bild zeigt das Problem sehr schön. Da waren keine Vögel am Pico de Teide, das sind Partikel und Flecken auf dem Sensor. Man sieht diese kleinen Flecken schnell bei Aufnahmen von einem schönen blauen Himmel oder einer anderen monochromen Fläche. Sicher kann man der Verschmutzung des Sensors etwas vorbeugen. Ihr könnt zum Beispiel mehrere Bodies mitnehmen – Spaß beiseite. Ein Reisezoom mit großem Zoombereich wäre eine eher realistische Idee. Die Linse lasst Ihr einfach drauf – und fertig ist das Thema. Aber wir wollen ja die hohe Auflösung der neuen Vollformater auch ausnutzen – und dazu braucht man nun mal unterschiedliche und qualitativ hochwertige Gläser. Ihr könnt beim Objektivwechsel darauf achten, daß Ihr das “im” Rucksack macht oder mit dem Körper den Wind abschirmt. Ich würde das Objektiv auch nicht gerade vor blühenden Sträuchern oder Gräsern wechseln. Vermeiden könnt ihr die Partikel allerdings nicht. Noch größere Vorsicht ist am Meer geboten, Sandkörner sind der Tod von beschichteten Gläsern. Aber auch ein Salznebel ist für empfindliche Elektronik und Optik äußerst stressig.

Vorgehensweise

Wenn ihr nicht sicher seid ob Dreck am Sensor klebt oder nur Fotos bei grauem Schmuddelwetter geschossen habt, dann geht einfach wie folgt vor:

1. Kamera auf Stativ befestigen

2. Weitwinkelobjektiv aufsetzen und dieses maximal abblenden

3. Fokus auf Nahbereich einstellen und lange Belichtungszeit wählen

4. Testbild von einer weißen Wand schießen

5. Bild direkt am Monitor bewerten oder in Lightroom laden und dort wie nachfolgend beschrieben vorgehen

Sensorflecken

Bearbeiten in Lightroom

Im Entwickeln – Modul Q drücken oder das Bereichsreparatur-Symbol anwählen und die Defekte mit dem angebotenen Fangkreis überlagern. Ein Drehen am Mouse-Rad skaliert den Fangkreis. Nehmt den Durchmesser nur so klein wie nötig, außer bei monochromen Flächen. Dann den Fangkreis über dem Defekt absetzen bzw. bei Bedarf den angebotenen Ersatzkreis verschieben. Wenn ihr Schwierigkeiten hat, die ganz kleinen Defekte zu finden, dann unten den Button “Bereiche anzeigen” drücken. Mit dem Schieberegler kann man die Auflösung dieser Funktion erhöhen. Damit bekommt man 95% aller Defekte in den Griff, schwieriger wird es mit Flecken auf Grenzflächen oder Details. Hier bilden sich meist häßliche Halo`s,  sodaß man eine ganze Weile probieren muß.

Für Lightroom gibt es im Netz unzählige und sogar richtig gute Tutorials. Ich nutze bei Problemstellungen allerdings fast immer dieses Buch hier: Scott Kelby – Lightroom 6.  Zwar bevorzuge ich englischen Humor und habe auch einen anderen Workflow als Scott, aber er hat in diesem Buch wirklich jedes Detail des Programms ausgeleuchtet und beschrieben. Das Buch ist extrem umfangreich und wie alle seine neuen Bücher sehr locker geschrieben. 

Sensorflecken

Kamerainterne Reinigungsfunktion aktivieren

Das ist der einfachste und somit immer der erste Schritt. Sucht im Menü die interne Reinigungsfunktion. Bei der Sony A7II findet ihr diese wie links abgebildet. Jede Kamera mit Bildstabilistator hat dieses Feature, denn das ist sozusagen die Umkehrung der eigentlichen Funktion. Die Kinematik zum Entkoppeln des Sensors von Schwingungen funtioniert nämlich umgedreht auch als Shaker für den verschmutzten Sensor.

Also das Objektiv runter, Kameröffnung nach unten halten und einmal schütteln lassen. Nicht erschrecken! 

Probefoto wie oben schießen und auswerten (deswegen das Stativ, da habt Ihr immer denselben Bildausschnitt).

Trockenreinigung mit Blasebalg

Schritt 2 ist ebenfalls eine Trockenreinigung. Dabei wird mit einem Blasebalg gezielt Luft über den Sensor geblasen. Einfache Verschmutzungen wie Staub kann man so loswerden. Macht das in einer windstillen und staubarmen Umgebung und haltet die Kameraöffnung nach unten. Die Partikel sollen aus dem Gehäuse geblasen werden und nicht in das Gehäuse hinein. Achtet darauf, dass der Blasebalg den Sensor nicht berührt. Eine Verwendung von Brillenputztüchern oder ähnlichen Dingen verbietet sich ebenso, wie das Anfassen des Sensors. Staubkörner oder Partikel haften durch elektrostatische Anziehungskräfte. Nach heutigem Stand der Technik liegt die damit entfernbare Partikelgröße im industriellen Bereich (mit DI-Luft!) bei 20µm – alles was kleiner ist oder einen anderen Haftmechanismus hat, erwischt Ihr damit nicht. Wenn man sich aber den gewöhnlichen Blasebalg mal anschaut, dann kann man schnell verstehen, dass selbst dieses Verfahren nur sehr begrenzt Abhilfe schaffen kann. Man saugt ja praktisch hinten den Dreck an und ersetzt die auf dem Sensor befindlichen durch neue Partikel. Der Luftstoß reicht aber durchaus aus, um lose haftende Partikel erst einmal wegzuschießen.

Wieder ein Probefoto schießen und auswerten. 

Sensorflecken

Nassreinigung mit dem VSGO-Set

Wenn das alles nicht hilft, bleibt nur noch die Nassreinigung übrig, ich nutze dafür das VSGO-Set. Es gibt zwar auch noch diese Silikonpömpel, mit denen man den Sensor abtupft, aber ich lasse die Finger davon. Erstens muß man den Übeltäter exakt lokalisiert haben, sonst stempelt man sich `nen Wolf. Und ob der Gummi wirklich rückstandsfrei arbeitet, da habe ich auch meine Zweifel.

Manch einer von Euch hat eventuell Angst, diesen doch fragil aufgehängten Sensor anzufassen. Man könnte ja was verbiegen oder anderweitig zerstören. Aber dafür gibt es eine einfache Lösung. Geht wie ganz oben beschrieben in den Reinigungsmodus und lasst den Sensor richtig wackeln. Danach die Kamera nicht ausschalten! Die Anzeige „Automatische Reinigung beendet“ muß weiterhin sichtbar sein. Jetzt ist der Sensor fixiert und man kann mit der mechanischen Nassreinigung beginnen. Tropft 2-3 Tropfen  Reinigungsflüssigkeit auf den zur Sensorgröße passenden Swab (bei Vollformat sollte der Swab also 24mm breit sein). Danach wird dieser einmal in einer langsamen, fließenden Bewegung von links nach rechts über den Sensor gezogen. Im Anschluss kann der Swab einmal gedreht werden, um noch einmal von rechts nach links über den Sensor zu wischen. Das war`s. Nicht nachwischen. Schaut Euch mal professionelle Fensterputzer an, im Prinzip derselbe Vorgang nur kleiner und mit weniger Flüssigkeit.

Selbstverständlich gibt es das Set auch für APS-C-Sensoren, dieses könnt ihr hier bestellen.

Ein wenig Futter für`s Hirn

Es gibt im Netz die wildesten Diskussionen zu diesem Thema, welches Mittel denn nun für Sensoren geeignet ist. Besonders die Sony-Sensoren scheinen je ganz schwierige Kandidaten zu sein. Und jetzt soll auch noch Nikon die Sony-Sensoren verbauen. Schrecklich!!! Und da wir ja alle so gern den mächtigen Influenzern glauben fliegt eine ganze Menge Halbwissen im Netz herum. Für mich klingt das Meiste nach schlechtem Marketing gepaart mit etwas Voodoo und blumigen Garantieversprechen. Oder glaubt hier ernsthaft jemand, dass eine US-Firma die Kosten für einen beschädigten Sensor in einer deutschen Kamera übernehmen würde?

Also denken wir mal nach. Wie ist ein CMOS-Sensor aufgebaut? Über der Sensorebene sitzt der Farbfilter und darüber die Mikrolinsen. Ganz oben sitzt immer ein Filterpaket aus IR-Sperrfilter und Anti-Aliasing-Filter. Beides sind beschichtete Glasflächen. Im Prinzip ähnlich wie bei entspiegelten Brillengläsern – nur ohne Luft zwischen Frontglas und Sensor/Auge. Egal ob Sony den Tiefpass eingespart hat oder nicht – vorn sitzt Glas. Somit muß man auch nur Glas mit aufgedampften Schichten reinigen. Im Gegensatz zu den erwähnten Brillengläsern muß man beim Sensor aber lediglich Staubkörner und Partikel entfernen. Diese haften durch Adhäsion am Sensorglas. Es sind also keine chemisch aggressiven Substanzen oder Alkohole notwendig, um z.B. Fettrückstände zu beseitigen. Es reicht Reinstwasser. Vermutlich sind noch geringe Anteile von Ethanol oder Propanol enthalten, um den Gefrierpunkt herunter zu setzen oder die rückstandsfreie Verdunstung zu verbessern . Ich bin kein Chemiker, aber es wird eine Grenze geben, ab der man die Soße als “alkoholfrei” bezeichnen darf und unter der Grenze toben sich die Giftmischer dann aus:)

Ihr solltet Euch mit der Menge der Reinigungsflüssigkeit zurückhalten, wenige Tropfen genügen. Das Vlies vom Swab muß die Flüssigkeit problemlos aufsaugen können. Denn trotz der extrem hohen Packungsdichte des Sensors müssen die einzelnen Layer ja irgendwie gefügt werden. Ich tippe auf optical bonding, es sind also Klebstoffe im Einsatz. Und die würde ich von jeder Art von Chemie freihalten, also nicht die Reinigungsflüssigkeit in die Spalten hineindrücken.

Sehr gern wird auch mit “Made in USA” geworben und da muß ich dann doch grinsen. Die legen maximal den Werbeprospekt für die eigene Firma in die Amazon-Umverpackung! Die Swabs werden alle in China produziert. Alle. Es macht einfach keinen Sinn, einen Class 100-Reinraum an die Grenze zu Mexiko zu stellen und mit ungelernten Grenzgängern zu produzieren. Kennt ihr eine amerikanische Firma, die sich mit Optik auskennt? Ich nicht. Selbst das deutsche Know how ist Anfang der 90`er Jahre komplett nach Asien gegangen. Außerdem sitzen die Chinesen ziemlich nah an den großen Optik-Giganten, oder? Und produzieren die ganzen Reinigungsmittel als OEM-Lieferant für Hasselblad, Sony, Nikon, Sigma, Tamron, Fujifilm…

Die Swabs werden nach GMP im Reinraum hergestellt und man kann davon ausgehen, dass die Qualität der Produktion ausreichend hoch und reproduzierbar ist.  Und Class 100 nach US FED 209D entspricht etwa einem Reinraum Klasse 5 ISO – und das sind schon verdammt wenige Partikel! Die Verpackung und Versiegelung erfolgt ebenfalls im Reinraum. Und ob des Gewebe für die Swabs nun mit einem O-Ring in Position gehalten oder per Ultraschall-Schweißung befestigt wird oder der Stengel vom Swab Orange ist, ist doch echt Banane oder?

Seit ich die A7 II habe, benutze ich das Set von VSGO und hatte bislang überhaupt keine Probleme damit. Es ist bezahlbar und erfüllt meine Ansprüche an eine schnelle und effiziente Sersorreinigung zu 100%.

Da ich mich mittlerweile vom Vollformat verabschiedet habe, musste ich auf ein Set für APS-C umsteigen. Gleicher Inhalt, nur sind die Swabs für die Breite des APS-C-Sensors ausgelegt. Bislang hatte ich mit dem FUJI-System noch keine Probleme, ich habe das Reinigungsset aber lieber verfügbar, denn so teuer ist es ja nun auch nicht.

Mikrostruktur der Swabs saugt die Reinigungsflüssigkeit effektiv auf.

Und wer immer noch Zweifel hat, der sieht sich einfach die Internetseiten an, die ich für euch hier verlinkt habe – es ist eigentlich komplett selbsterklärend wo das Know how sitzt 🙂

VSGO

Dust patrol

Visible Dust

Photosol

Und jetzt viel Spaß beim Staubkörner fangen! Und kommt bitte nicht auf die Idee die Partikel absaugen zu wollen!