Vollformat oder APS-C?

Ich möchte hier nicht noch eine Seite mit langweiligen technischen Daten und Gegenüberstellungen erstellen, das können die einschlägigen Tech-Magazine viel besser. Und auch die komplette Schar der allmächtigen Deineröhre-Influenzer tut eine Menge, um euch bei diesem Thema zu "helfen". Steht halt bei allem "Werbesendung" unten rechts, gell?

Also, was kann ich hier noch zur Entscheidungsfindung beitragen? Ich möchte euch zeigen, warum ich mich für eine bestimmtes Kamerasystem entschieden habe und euch damit vielleicht ein paar Anregungen zum "um die Ecke denken" liefern.

Ich mußte mich vor zwei Jahren für eine neue Kamera entscheiden - ich wollte eine Spiegellose und ich wollte Vollformat! Typisch Mann halt. Der Markt dafür war damals überschaubar, SONY oder SONY. Die Lumix S1-Reihe lasse ich hier mal außen vor, da die kostentechnisch für mich außerhalb jeglichen realistischen Budgets lag. Also wurde es eine A7II, die mich zwar manchmal massiv genervt hat aber mit den richtigen Linsen echt gute Ergebnisse ablieferte. Eigentlich eine geile Kamera - bis sie dann am Fitz Roy mit dem allseits bekannten Verschlussproblem verstarb. Und da ich in solchen Situationen gern radikale Entscheidungen treffe war das das Todesurteil für das SONY-System schnell gefällt. Meine Gedanken waren ganz bei der funkelnagelneuen NIKON D780...doch dazu später. Hier erst einmal eine Gegenüberstellung der beiden Systeme.

 

 

Frontansicht der SONY A7 M2

 

 

Der extrem schlanke Kamera-Body ist mit 599g recht leicht.

 

 

Ansicht auf das Klappdisplay

D780

Frontansicht der neuen NIKON D780

 

 

D780

Der massive Body mit robustem Handgriff wiegt 840g.

 

D780

Funktionselemente um das Klappdisplay herum angeordnet

Die Bilder sind an sich schon selbsterklärend. Spiegellose Systemkameras wie die A7-Reihe können durch die wegfallenden mechanischen Bauteile wesentlich schmaler, kleiner und damit leichter gebaut werden. Der optische Prismensucher wird durch ein elektronisches System ersetzt, damit verkleinert sich der typische Höcker der Spiegelreflex-Systeme. Durch den Entfall des Schwingspiegels können die Kameras auch wesentlich schmaler gebaut werden, was natürlich eine Herausforderung für den Designer darstellt, diesen flachen Body mit einem ergonomisch sinnvollen Handgriff zu kombinieren. Bei der A7 ist das eher schlecht gelungen, die A7 M2 konnte man schon eher richtig anfassen. Ich hatte ein ARCA-SWISS-kompatibles RIG dauerhaft an der Kamera verbaut, damit hatte auch der kleine Finger eine gute Ablage. Meiner Erfahrung nach sind die billigen Rigs der NoNames genauso gut wie die angesagten Premium-Rigs von RRS, Smallrig oder Kirk. Letztendlich eure Entscheidung, ob da ein Label dran stehen muß oder nicht. Das Teil sollte allerdings dem Arca-Swiss - Standard entsprechen.

Rig für die A7ii - FOTGA L7-M2 - mega-stabil und präzise gefertigt, passt saugend auf den Kamerabody

Prismensucher oder EVF?

Ein großer Vorteil der spiegellosen Systeme ist der elektronische Sucher oder auch EVF - Electronic View Finder. Es gibt Fotografen, die meinen beim Blick durch diesen "Fernseher" schneller zu ermüden - das kann ich nicht bestätigen. Auch der Stromverbrauch wird oft kritisiert - klar, der kleine Bildschirm ist permanent an und selbst wenn man den Augensensor nutzt und clever zwischen EVR und Monitor umschaltet reicht ein Akku für maximal 350 Bilder. Außerdem braucht der Stabilisator auch noch Strom und  somit wird der Stromhunger der Spiegellosen im Netz gern und oft kritisiert. Nur: wer außer Sportfotografen, die im Dauerfeuer-Modus arbeiten hat damit ein Problem? Wildlife-Fotografen, eventuell. Diese Nutzer haben wahrscheinlich wenig Freude daran, stundenlang durch ein aktives Display zu starren um dem scheuen Rotwild aufzulauern.

Wer von euch fällt in diese Kategorie? Also. Die Vorteile des aktiven Suchers lassen sich einfach nicht leugnen. Man kann eine elektronische Wasserwaage und Rasterlinien einblenden, das spart Zeit bei der Nachbearbeitung. Alle relevanten Kamerafunktionen lassen sich einblenden und damit kann man auch schnell Parameter verändern, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Es ist alles im Display, inklusive Histogramm, Fokuslupe und Kantenanhebung bei Focus Peaking. Genial. Und vorallem wysiwyg - ich sehe das fertige Bild und kann es aktiv beeinflussen. Für mich das ultimative Plus für die Spiegellosen. Und wer eine lange Tour plant, der nimmt einfach ein paar Akkus mehr mit.

Sensor - der kleine nervige Staubsauger

Und nun zum interessantesten Thema bei spiegellosen Systemkameras - dem freiliegenden Sensor. Während sich der Sensor bei Spiegelreflex-Kameras sicher hinter dem Spiegel verstecken kann sitzt er bei den neuen Systemkameras ziemlich weit vorn und hat keinerlei mechanischen Schutz. Das sogenannte Auflagemaß beim Nikon F-Bajonett beträgt 46,5mm, beim Sony E-Mount hingegen 18mm und bei Nikon Z nur 17mm - somit ist der Sensor einfach wesentlich näher dran an schädlichen Einflüssen. Bei den Vollformat-Kameras ist der Sensor mehr als doppelt so groß wie APS-C-Sensoren, somit sammelt sich einfach auch mehr Staub auf dessen aktiver Fläche.

Wenn man hauptsächlich draußen fotografiert, kann man diese Einflüsse zwar minimieren, aber nie vermeiden. Staub und Partikel werden durch die elektrostatische Anziehung zwangsläufig auf den Sensor gezogen, was dann die äußerst nervigen Sensorflecken zur Folge hat. Ich habe diesem Problem ein eigenes Kapitel gegönnt, welches ihr hier findet. Lediglich CANON`s R-Reihe schließt den Verschluss, sobald die Optik entfernt wird und versucht so den Sensor vor Partikeln zu schützen. Das Magazin DOCMA hat das hier ziemlich negativ kommentiert, wobei ich dieser Argumentation nicht folgen kann. Sicher schmuggeln sich einige wenige Staubkörner am Verschluss vorbei, aber im Prinzip sollte diese Lösung zufriedenstellend funktionieren. Ihr könnt mir ja dazu mal eure Erfahrungen mitteilen.

Mich jedenfalls haben die Partikel auf dem Sensor massiv genervt. Der Auslöser zum Verkauf des A7-Systems war sicher die defekte Verschlussmechanik auf der Patagonien-Tour, aber die Sensorflecken haben mich vorher schon "gar gekocht". Ich hatte einfach keine Lust mehr, jedes zweite Bild in Lightroom zu bearbeiten, zumal man damit auch nicht alle Flecken erwischt bzw. das Resultat an Farb- oder Kontrastübergängen nicht zufriedenstellend war. Weitere Gründe gegen die Weiterverwendung von SONY`s A7-Reihe waren das wirklich schlecht ausgelegte E-Mount-Bajonett (viel radiales Spiel) und der fehlende zweite SD-Kartenslot. Über die grandios schlechte Menüführung von SONY brauchen wir gar nicht erst diskutieren - das ist der worst case hinsichtlich Anwenderfreundlichkeit.

Größe und Gewicht des Gesamtsystems

Noch mal zurück zum Thema "Größe des Gesamtsystems". Ihr müsst natürlich bedenken, dass die Linsen für Vollformat deutlich größer als vergleichbare APS-C-Gläser sind. Bei den Systemkameras habt ihr dann je nach Optik einen zarten Kamerabody mit einem (gefühlt) riesigen Objektiv davor, der Schwerpunkt wandert somit etwas nach vorn. Die Balance ist bei Spiegelreflex-Systemen deutlich besser - damit aber auch das Gesamtgewicht.

Nachfolgend liste ich mal alle Gläser, die ich an der A7 M2 im Einsatz hatte. Ich habe es auch mal mit dem Canon EF 70-200 L USM probiert, welches ich mittels SIGMA MC11 adaptiert habe. Ging zwar irgendwie, fühlte sich aber falsch an und alle Funktionen wurden auch nicht übertragen. Also nachfolgend nur die E-Mount-Vollformat-Linsen, die ich verwendet habe.

Vario-Tessar® T* FE 24–70 mm f4 ZA OSS

Ein hochwertig gebautes Objektiv mit Zeiss-Technologie. Staub- und spritzwassergeschützt. Fühlt sich gut und wertig an, Zoom-und Fokusring laufen butterweich. Die unverbindliche Preisempfehlung von Sony lag bei 1.249,00 Euro, im Handel bekommt ihr es derzeit für 700€. Ich habe es schnell wieder verkauft, 24-70mm mit 4er Offenblende ist irgendwie nicht mein Arbeitsgerät.

Mindestfokussierabstand: 0,4m

Filtergewinde: 67mm

Gewicht: 426g

Vario-Tessar® T* 16-35mm f4 ZA OSS

Meine Lieblingslinse an der A7 M2. Sehr scharfes Objektiv mit nahezu perfekten Abbildungseigenschaften. OSS - Optical Steady Shot, den man für Weitwinkel auf Stativ eigentlich nicht braucht. Die unverbindliche Preisempfehlung von Sony lag bei 1.499€, im Handel bekommt ihr es derzeit um die 1000€. Mit dieser Linse habe ich einige meiner besten Bilder schießen können - eigentlich das perfekte "Immerdrauf" für Landschaften.

Mindestfokussierabstand: 0,28m

Filtergewinde: 72mm

Gewicht: 518g

ZEISS BATIS 25mm f2

Gilt als das aktuell beste Weitwinkel für E-Mount, dem würde ich auch zustimmen. Meine zweite Lieblingslinse an der A7 M2. Extrem scharfes Objektiv mit perfekten Abbildungseigenschaften. Bereits bei Offenblende knackscharf. OLED-Display. Staub- und spritzwassergeschützt. Die unverbindliche Preisempfehlung lag bei 1.299€, im Handel bekommt ihr es derzeit um die 1099€. Kaum Wertverlust. Unglaublich gute Haptik, schon fast erotisch.

Mindestfokussierabstand: 0,2m

Filtergewinde: 67mm

Gewicht: 335g

Sony SEL 70-200mm f4 G

Über den gesamten Zoombereich liefert das Objektiv eine tolle Bildqualität. Schon mit offener Blende sind die Fotos bis an den Bildrand scharf, leichtes Abblenden steigert die Schärfe noch einmal deutlich. Der Autofokus arbeitet schnell, leise und sehr präzise. Steady shot. Die unverbindliche Preisempfehlung von Sony lag bei 1.699€, im Handel bekommt ihr es derzeit um die 1000€.

Mindestfokussierabstand: 1 -1,5m

Filtergewinde: 72mm

Gewicht: 840g (ohne Stativschelle)

Als ich meine Wunschobjektive beisammen hatte kamen die beiden hoch gelobten TAMRON-Linsen raus und die Influenzer-Gemeinde schien an kollektiver Schnappatmung verenden zu wollen. Also scheinen die beiden Schönheiten nicht ganz schlecht zu sein. Ich konnte sie leider nicht testen, im Netz sind die Bewertungen allerdings einstimmig: sehr gute Objektive für E-Mount.

TAMRON 17-28mm f/2.8 Di III RXD

Eine wundervolle Linse. Wie der große Bruder mit 67er Filterdurchmesser, das spart Euch Adapterringe. Endlich hat mal ein Hersteller mitgedacht!

Mindestfokussierabstand: 0,19 -0,26m

Filtergewinde: 67mm

Gewicht: 420g

TAMRON 28-75mm f/2.8 Di III RXD

TAMRON ist definitiv zurück und hat einige extrem gute Linsen im Programm.

Bildwinkel: 75° - 21°

Mindestfokussierabstand: 0,19 - 0,39m

Filtergewinde: 67mm

Gewicht: 550g

Und nun ist also die D780 draußen. Anfang 2020 sicher der heißeste Shit unter Fotofreunden. Monatelang wurde ein riesiger Hype um diese Kamera veranstaltet. Ist ja auch logisch, das ist fettes Biz für die Onlinemagazine, Produkttester und all die netten Influenzer! Man kann das Ding vorbesprechen, "unboxen", "Hands on-Reviews" raushaun, Wasser drüber gießen und die Netzgemeinde feiert diesen ganzen Schwachsinn. Gleichzeitig spürt man regelrecht eine große Verunsicherung bei vielen Nutzern. Soll ich von der D750 noch mal auf das neuste Modell wechseln oder doch besser einen radikalen Umstieg auf die Z-Reihe machen? Oder vielleicht doch die D850? Reichen 24MP oder besser das 45MP-Monster? Bekommt NIKON noch mal die Kurve oder enden die DSLR`s als die SUV`s der Fotobranche?

All diese Fragen habe ich mir auch gestellt. Tagelang. Ich wollte zuerst eine gebrauchte D850 kaufen, zum Glück sind aber so viele Betrüger im Netz unterwegs, dass ich nach einigen unschönen Kontakten dieses Vorhaben schnell aufgegeben habe. Und dann habe ich zum ersten Mal das typische "Männer-Marken-Möchtegern-Profi-Ding" abgeschaltet, in Ruhe die Fotos der letzten 2 Jahre analysiert und mich gefragt, was ich denn wirklich brauche.

 

Brauche ich 36 oder 45 Megapixel?

Ein klares NEIN. Ich fotografiere RAW unkomprimiert und habe einfach keine Lust, noch größere Datenmengen als bei 24MP zu schaufeln und erneut die IT aufzubohren. Außerdem möchte ich nicht auf ein neues Kartenformat umstellen - ich brauche die in der D850 erforderlichen XQD-Karten einfach nicht, die normalen SD-Karten sind vollkommen ausreichend. Ich nutze ausschließlich SANDISK-Karten und hatte bislang noch nie Probleme damit. Ich fotografiere Natur, damit brauche ich keine Serienbild-Orgien oder riesige Videomengen. Dass SONY natürlich ein starkes Interesse daran hat, ihre Eigenentwicklung in den Markt zu drücken ist verständlich - denn hier werden die fetten Margen erwirtschaftet. 150 Euro für eine 64GB-XQD-Karte - da bleibt richtig Geld hängen. Der Kamera-Body ist eigentlich nur noch Mittel zum Zweck.

Viele Anwender sehen den Vorteil einer großen Sensorauflösung darin, dass beim Zuschneiden von Aufnahmen auf kleine Ausschnitte mehr Auflösung übrig bleibt. Übersehen wird dabei, dass sich höhere Auflösung wie eine Lupe auch auf die Unschärfe auswirkt. Je höher die Auflösung, desto präziser müsst ihr fotografieren. Auch solltet Ihr überlegen, ob ihr überhaupt die Optiken habt, die diese Auflösung abbilden können. Selbst die besten Linsen kommen nur auf 6µm Auflösung, was bei einem FF-Sensor 24MP ergibt. Was habt ihr mit den Fotos vor? Für Internet und Stockfotografie sind 24MP mehr als ausreichend - also flogen NIKON`s D850 & Z7 sowie die PENTAX K1II vom Wunschzettel. Canon stand da nie drauf und SONY hatte ich ja vor einigen Wochen beerdigt.

 

Ich liebe NIKON, aber...

ich verspüre momentan keine Lust, den Aufpreis für die neuen Linsen des Z-Systems zu zahlen. Und dieser megahässliche Adapter ist auch keine Option - ich hatte den MC11 an der Sony und das war nix. Wohin wird NIKON wohl strategisch gehen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die spiegellosen Systeme sein werden. Aus einem ganz einfachen Grund: hier sind noch Gewinnmargen drin. Checkt mal den Gebrauchtmarkt an guten 2.8er Nikkoren - da fährt inflationär viel Altglas in der Bucht rum. Also wird NIKON nur noch geringe Stückzahlen an neuen DSLR-Linsen absetzen können und alle Ressourcen auf die neuen Z-Nikkore packen.

Somit flog auch die Z6 vom Wunschzettel und es wurde langsam sehr übersichtlich. Die D780 hatte es mir ja echt angetan, vor allem weil sie Fokus-Peaking und Focus-Stacking kann. Aber der Preis ist für mich aktuell ein K.O.-Kriterium. Für das Geld bekommt man zwei neuwertige Gebrauchte aus älteren Baureihen, z.B. die D750.

 

Vollformat ist doch aber viel besser, oder?

Ich bin auch dem Denkfehler aufgesessen, daß "Größer" gleichbedeutend mit "Besser" ist. Und schließlich hat man ja früher auch mit 24x36 fotografiert - irgendwie erschien es mir logisch, bei diesem Format zu bleiben. Außerdem fotografieren die Profis mit Vollformat - muß also gut sein. Wieder diese Männer-Mucke:)

Doch was sind wirklich die Vorteile von Vollformat-Systemen? Auch hier fliegt eine ganze Menge Halbwissen im Netz umher, deswegen habe ich mir das mal genauer angesehen. Immer vor dem Hintergrund Landschafts- und Reisefotografie (auch Makro), also kein Sport, keine rennenden schwarzen Hunde, kein Wildlife und keine Hochzeiten in dunklen Kirchen.

 

Vollformat hat ein deutlich besseres Rauschverhalten

Nehmen wir wieder die 24MP und vergleichen den Vollformat- mit dem APS-C-Sensor, also 24x36mm mit 22,5x15mm aktive Fläche.  Je kleiner der Bildsensor ist, umso enger liegen die einzelnen Pixel aneinander. Und jeder einzelne Pixel ist deutlich kleiner. Deswegen erzeugen sie weniger Ladungsträger, was eine höhere Verstärkung des Signals erfordert - und damit nimmt bei kleinen Sensoren das Bildrauschen zu.

Also bei Low light-Situationen haben die Vollformat-Systeme die Nase vorn. Schaut eure Fotos der letzten Monate durch und überlegt, ob dieser Vorteil für euch überhaupt relevant ist. Ich habe festgestellt, dass mir die ISO-Werte der hochwertigen APS-C-Kameras vollkommen ausreichen. Wenn ihr mit den Werten unsicher seid, schaut mal in den EXIF-Daten eurer Bilder nach, was die höchste verwendete ISO-Zahl war. Ihr werdet feststellen, dass 99,9% aller Bilder keine ISO-Werte über 3200 haben.

 

Vollformat hat mehr Reserven beim Beschnitt des Bildes

Off wird argumentiert, dass man bei Vollformat-Systemen mehr Freiheiten hat, die Aufnahme später passend zuzuschneiden. Ich versuche den Bildausschnitt vor der Aufnahme zu definieren und das auf`s Foto zu bringen, was ich darstellen wollte. Somit gilt dieses Argument eher für bewegte Motive, für Landschaftsfotografie ist es eher nicht zutreffend.

 

 

Vollformat hat einen höheren Dynamikumfang

In der Fotografie bezeichnet der Dynamikumfang oder Kontrastumfang den Quotienten aus größtem und kleinstem unterscheidbaren Helligkeitswert. Der Quotient wird meist im 2er-Logarithmus als Blendenstufen angegeben. Von den maximal möglichen 23 Blendenstufen schafft das menschliche Auge 20, der Vollformat-Sensor etwa 15 und der APS-C Sensor etwa 13. D.h. der Kontrastumfang der allermeisten Motive ist weit höher als der den der Kamerasensor verarbeiten kann. Übersteigt der Motivkontrast den abbildbaren Kontrastumfang des Sensors, dann werden helle oder dunkle Motivteile strukturlos wiedergegeben (also Ausbrenner oder abgesoffen).

Wenn ihr RAW fotografiert, könnt ihr mit einem Vollformat-Sensor 2LW mehr an Unter- oder Überbelichtung sichtbar machen. Ihr müsst aber wissen, dass sich weder 13LW noch 15LW an Bildschirmen ausgeben lassen. Gute Bildschirme erreichen einen Kontrastumfang von etwa 1000:1 – was 8LW entspricht. Das ist in etwa auch der Kontrastumfang, den JPEG`s erreichen. Alles, was über diesen Kontrastumfang hinausgeht, geht als Unter- oder Überbelichtung verloren. Mit Lightroom könnt ihr diese Lichtwerte außerhalb des Monitor-Kontrastumfangs in ihn hinein verschieben, so dass in Unter- und Überbelichtung Zeichnung sichtbar wird. Ihr presst also den großen Kontrastumfang in den kleinen hinein, was meist nicht sonderlich realistisch aussieht. Die Experten unter Euch haben das sicher bei einigen meiner Foto`s auf der Patagonien-Seite bemerkt.

 

Vollformat ist besser für Weitwinkelaufnahmen geeignet

Oft wird auch folgendermaßen argumentiert: Ein Vorteil bei der Fotografie mit einer Vollformat-Kamera ist, dass bei gleichbleibender Brennweite ein größerer Bildwinkel entsteht. 

Ja und? Dann suche ich mir eben die Brennweite raus, die denselben Bildwinkel wie das Vollformat-Glas hat. Also statt einem 16-35mm f4 Nikkor eben das Fujinon XF 10-24mm f4 - beide haben 110° Bildwinkel.

 

 

Mit Vollformat kann man Motive besser freistellen

Auch den folgenden Satz kann man oft lesen: Mit einem Vollformat-Sensor und den passenden Objektiven kann man mit Blende f/2,8 das Motiv viel besser vom Hintergrund freistellen. Oder auch gern: Vollformat-Kameras sind Bokeh-Monster.

Wer von euch fotografiert Landschaften mit Offenblende? Und wieso sollte die geringere Schärfentiefe der Vollformater einen Einfluß auf das Bokeh haben? Wer unbedingt Motive freistellen möchte, der kauft sich eben das dafür passende Glas mit großer Offenblende. Oder adaptiert ein gutes Altglas aus analogen Zeiten. Für deutlich weniger als 100€ bekommt man geniale manuelle M42-Zeiss-Linsen mit riesiger Offenblende nebst Adapter. Auch dieses Argument ist damit für mich haltlos.

 

 

Mein persönliches Fazit

Ein gutes APS-C-System ist für meine Anwendungsfälle vollkommen ausreichend - ich benötige keine Vollformat-Kamera mehr.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe ja bereits weiter oben meinen Schmerz mit dem freiliegenden Sensor der Systemkameras mitgeteilt. Im Kapitel Sensorreinigung hatte ich ja noch spaßeshalber vorgeschlagen, das Problem mit den Partikeln beim Objektiv-Wechsel mit mehreren Bodies zu umgehen. Und manchmal liegt in der Ironie ein Fünkchen Wahrheit.

NIKON ruft für die D780 aktuell 2400€ auf -  dafür bekommt man: eine FUJIFILM X H1, eine FUJIFILM X-E3, ein FUJINON 56mm/f1.2 und ein FUJINON 10-24mm/f4 und für das übrige Kleingeld eine Tasche voller Li-Ionen-Akkus. Und dann muß ich ja auch noch Objektive kaufen:)

Ihr ahnt, was jetzt kommt? Bleibt dran, demnächst folgt die Bewertung des Fuji-X-Systems! Bis dahin: immer schön selbstkritisch bleiben:)

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