Deuter-Fotorucksack

Outdoor-Fotorucksack im Eigenbau auf Basis eines Deuter-Freerider

Der Fotorucksack scheint in der Szene momentan eines der Lieblingsthemen zu sein, es gibt tausende Tests, Bewertungen und Videos. Auch ich war auf der Suche nach einem praktischen Fotorucksack für Tageswanderungen und habe einfach nichts Passendes finden können. Wenn man “Outdoor-Fotorucksack” durch die Suchmaschine jagt, kommen fast keine Treffer. Der Auslöser, mich dann mal etwas kreativer mit diesem Thema zu beschäftigen war ein Video eines sehr einflussreichen und gewichtigen “Deine Röhre-Beeinflussers”. Grundaussage war, dass er aus allgemein bekannten Gründen den Hüftgurt und damit die Trageeigenschaften der Outdoor-Rucksäcke nicht testen könne und dass F-Stop zwar gut aber kein Deuter sei.. Und genau das scheint mir ein generelles Problem im Netz zu sein. Niemand hinterfragt mehr, was da eigentlich den ganzen Tag über offeriert wird. Ein Outdoor-Rucksack ohne Hüftgurt ist bei voller Beladung vollkommen sinnlos, denn diese Systeme sind ja extra so gebaut, damit die Kräfte aufs Becken abgeleitet werden.

Und so habe ich mir wochenlang die unterschiedlichsten Systeme am Markt angeschaut. Danach habe ich für mich entschieden, dass die meisten Fotorucksäcke für den Transport im Gelände vollkommen ungeeignet sind. Zu sperrig, zu groß, miserable Lastübertragung auf das Becken, Wärmestau am Rücken infolgen durchgehender EVA-Platte…. 

Ich habe es danach mit einem normalen Mammut-Kletterrucksack versucht und verschiedene Inlays getestet. Hier ist allerdings die Entnahme von oben auf Dauer echt nervig,  vor allem wenn noch Klamotten transportiert werden müssen. Irgendwas ist einfach immer im Weg! Und dann das ganze in umgedrehter Reihenfolge wieder rein in das dunkle Loch. Man ist eigentlich nur am Buddeln.

Die entscheidende Frage war also: welches technisch ausgereifte Rucksacksystem kann im Gelände schwere und sperrige Lasten transportieren und hat einen Zugang von der Rückseite? Und da kommen eigentlich nur Ski-Touren-Rucksäcke bzw, Freerider-Systeme in Frage. Der Rest war schnell erledigt, denn der Markt für qualitativ hochwertige Rucksäcke beschränkt sich nur noch auf einige wenige Anbieter. Arcteryx hat leider nichts Brauchbares im Angebot – somit bleiben nur noch Deuter und er neue Osprey Kamber 32 im Rennen. Also ich gesucht habe, gab es den Osprey noch nicht, deswegen habe ich mich für den Deuter entschieden.

Das muss alles in den Rucksack passen

Ganz unten am Boden liegt bei mir immer ein leichtes Mikrofaser-Handtuch. Das wiegt nichts, dämpft eventuelle Aufschläge zusätzlich ab und hilft bei härteren Einsätzen gegen Wasser und Dreck. Darüber sitzt ein großes Inlay von Shimoda. Dieses ist nicht angekoppelt und kann damit  jederzeit komplett entnommen werden. Das ist geschickt, denn dann kann man sein Equipment zuhause gleich geschützt in den Schrank legen. Der Rucksack ist ein ganz normaler Deuter Freerider Pro 30 mit einem aktuellen Listenpreis von 159€.  Der Deuter-Rucksack ist mit H x B x T = 56 x 32 x 22 cm gerade so tauglich für`s Handgepäck und wiegt 1,7kg.

Die am meisten gebräuchliche  Grenze für Handgepäck im Flugverkehr liegt bei H x B x T = 55 x 40 x 23 cm und 8kg Gewicht. Es gibt einige Ausnahmen bei südamerikanischen Airlines, wenn Ihr Euch nicht sicher seid, dann checkt vorher deren Bedingungen aus. Ich hatte jedenfalls noch nie Trödel. Der Rucksack ist definitiv kleiner als ein Kabinentrolley nebst Laptoptasche. Da der Freerider ohne Regenhülle geliefert wird, muß man diese für ein paar Euros im Netz nachkaufen. Das Deuter Raincover I (20-35L) passt perfekt. 

 

Tragesystem und Ausstattung

Der Rucksack ist mit dem Variflex-System der Alpinrucksäcke ausgestattet und der damit erreichte  Tragekomfort ist echt genial. Das Gewicht wird perfekt auf die Hüfte übertragen und der Rücken wird ausreichend gut belüftet. Alle Elemente können individuell eingestellt werden. Ein flexibel verstellbarer Brustgurt ist selbstverständlich Standard. Der üppig gepolsterte Hüftgurt ist zwar nicht abnehmbar, hat aber zwei kleine Taschen für die Dinge, auf die man unterwegs schnellen Zugriff braucht. Oben hat der Rucksack einen stabilen Griff. Auch die seitlichen und robusten Materialschlaufen lassen sich hervorragend als Griff missbrauchen, wenn man das Teil z.B. ins Gepäckfach des Fliegers wuppen möchte.

Richtig gut gelöst finde ich die Möglichkeit, nicht benötigte Schlaufen einfach in kleinen Taschen im Rucksack zu verstauen! So sieht das Teil nicht wie ein Alpin-Rucksack aus und man bleibt mit den Riemen nicht so schnell am Strauchwerk hängen. Wenn man sie doch mal schnell benötigt, weil z.B. die nasse Regenjacke befestigt werden soll, dann ist das in wenigen Sekunden erledigt. Der Rucksack hat oben eine kleine Deckeltasche, auf die ich nicht verzichten möchte. Diese ist innen mit weichem Fleece bezogen, cool wenn mal die Brille schnell eingeschoben werden muss.

Material

Das Material des Rucksacks ist ein 420`er Denier Polyamid-Gewebe mit PU-Beschichtung. Damit kann man auch mal am Fels entlang schrammen, ohne dass gleich es Schäden am Material gibt. Innen sitzt ein leichtes Gestell aus Delrin®, einem der besten Konstruktions-Werkstoffe von DuPont. Die Reißverschlüsse sind nicht wasserdicht, hier wären YKK Aqua-guards natürlich genial, aber bei Winterrucksäcken scheint das weniger wichtig zu sein. Aber wenn es richtig schüttet, dann zieht man eben fix das Raincover auf und fertig.

Zugriff auf die Fotoausrüstung

Der Zugriff von der Rückseite erfolgt über einen robusten YKK-Zwei-Wege-Reißverschluß. Die  Träger klappen beim Öffnen mit weg. Das ist bei den meisten Kamerarucksäcken anders gelöst, ich kann keine Vorteile eines Systems erkennen. Ich lege den Rucksack stets ab, um an das Equipment zu kommen. Damit liegen die Träger auch nicht im Dreck sondern stehen irgendwie unmotiviert in der Gegend rum. Innen gibt es noch ein Fach für ein Trinksystem mit Schlauchdurchführung in die Mitte der Rückenplatte. Ich nutze dieses Feature allerdings nicht, Wasser im Fotorucksack wäre ja auch irgendwie kontraproduktiv. Dahinter befindet sich noch eine dünne und sehr leichte Schaumstoff-Platte, die man hervorragend als Sitz oder zum Unterlegen verwenden kann.

Man kann den Rucksack auch hervorragend abstellen, er steht aufgrund der stabilen Hüftflossen ziemlich stabil.

Kamera-Insert / Inlay

Zu diesem Thema habe ich eine ganze Seite gebaut und alle am Markt befindlichen Inlays verglichen. Checkt das aus!

Ich habe eine Menge dieser Inlays durchprobiert und habe mich letztendlich für SHIMODA entschieden. Ziemlich teuer, aber in meinen Augen jeden Cent wert.

Ich habe den Rucksack mittlerweile ausgiebig auf verschiedenen Bergtouren getestet – bislang bin ich mit dem System mehr als zufrieden. Der Tragekomfort ist exzellent! Man spürt das Gewicht des Equipments fast nicht, der Rucksack sitzt perfekt am Rücken, nichts wackelt. Auch der Zugriff auf die Technik gestaltet sich zufriedenstellend. Auch die Kombination mit dem Shimoda-Inlay funktioniert einwandfrei.